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Dr. Raphael Wurm, PhD
MedUni Wien RESEARCHER OF THE MONTH, Februar 2026
Die Jury „Researcher of the Month” verleiht die Auszeichnung für diesen Monat an Raphael Wurm aus Anlass der im Top-Journal „JAMA Neurology“ (IF 21.3) erschienenen Arbeit "Mood Alterations in the Prodromal Phase of Sporadic Creutzfeldt-Jakob Disease". Die Arbeit entstand in der Arbeitsgruppe von Ap. Prof. Priv. Doz. Dr. Hakan Cetin an der Univ. Klinik für Neurologie in Zusammenarbeit mit den Gruppen von Priv. Doz.in Dr.in Ellen Gelpi (Univ. Klinik für Neurologie, Abteilung für Neuropathologie) und Univ.-Prof.in Dr.in Mag.a Eva Schernhammer (Zentrum für Public Health, Abteilung für Epidemiologie).
Unerwartetes Signal aus der Vergangenheit: Depressionen möglicherweise Vorbote der seltenen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung
Die Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung (kurz CJE) ist eine sehr seltene Erkrankung des Gehirns, bei der es durch falsch gefaltete Eiweiße, sogenannte Proteine, zum unaufhaltsamen Absterben von Nervenzellen kommt. Vom Beginn der Erkrankung bis zum Tod vergehen meist nur wenige Monate und die ersten Symptome können mit denen anderer Erkrankungen verwechselt werden. Aus diesen Gründen war es bisher für Forschende und Mediziner:innen schwierig, mehr über die Krankheit zu erfahren.
Gemeinsam mit Forscher:innen der Abteilung für Neuropathologie, die das Österreichische Referenzzentrum zur Erfassung und Dokumentation menschlicher Prionenerkrankungen betreiben, haben wir versucht, bei Menschen, die an CJE verstorben sind, in die Vergangenheit zu blicken. Dazu wurden Informationen zur Medikamentenverschreibung mit klinischen Daten aus der Datenbank des Referenzzentrums verknüpft. So konnten wir untersuchen, ob Menschen, die später an CJE erkranken, in den Jahren zuvor häufiger oder seltener mit bestimmten Medikamenten behandelt werden als gesunde Menschen im gleichen Alter.
Durch diese Methode konnten wir herausfinden, dass CJE Patient:innen im Jahr vor ihrer Diagnose deutlich häufiger mit Medikamenten gegen Depressionen und Angststörungen behandelt wurden als die gesunde Vergleichsgruppe. Geht man weiter in der Zeit zurück, sieht man, dass dieser Unterschied schon länger, vielleicht sogar schon drei Jahre vor der Diagnose, besteht. Bei vielen anderen abbauenden neurologischen Krankheiten, wie zum Beispiel der Alzheimererkrankung oder der Parkinsonerkrankung, wissen wir, dass es vor dem Auftreten der eigentlichen Symptome eine Phase mit milden oder anderen Symptomen gibt. Dieser Zeitraum wird Prodromalphase genannt und ist für die Forschung sehr wichtig, weil wir glauben, hier besonders gut Einfluss auf die Erkrankung nehmen zu können. Die Ergebnisse unserer Arbeit legen also erstmals überhaupt die Vermutung nahe, dass es auch bei der CJE so eine Prodromalphase gibt. Sollte sich das in weiteren Untersuchungen bestätigen, könnte das große Fortschritte für die Erkennung von CJE und anderen Prionenerkrankungen bedeuten. Langfristig erhoffen wir uns, dass sich daraus auch eine Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten dieser seltenen Erkrankungen ergibt.
Wissenschaftliches Umfeld
Raphael Wurm begann seine wissenschaftliche Karriere an der Abteilung für Kardiologie der Univ. Klinik für Innere Medizin II. Unter der Anleitung von Priv. Doz. Christopher Adlbrecht forschte er zunächst zu Thrombusbiologie und Herzinsuffizienz, später in der Arbeitsgruppe von Univ.-Doz. Martin Hülsmann. Im Rahmen seiner Dissertation untersuchte er die Vorhersage des neurologischen Outcomes nach kardiopulmonaler Reanimation und begann schließlich 2017 seine klinische Ausbildung an der Univ. Klinik für Neurologie.
In der Arbeitsgruppe für Gedächtniserkrankungen unter der Leitung von Assoc. Prof.in Priv.-Doz.in Dr.in Elisabeth Stögmann forscht er an neurodegenerativen Erkrankungen mit einem Schwerpunkt auf epidemiologische Untersuchungsmethoden. Diese Expertise brachte er auch in der aktuellen Arbeit in die Gruppe von Ap. Prof. Priv.-Doz. Dr. Hakan Cetin ein, wo der Fokus auf der Pharmakoepidemiologie bei seltenen neurodegenerativen Prozessen liegt.
Der Abteilung für Kardiologie bleibt er im Rahmen einer Kooperation mit der AG Herzinsuffizienz (Univ.-Doz. Dr. Martin Hülsmann, Ap. Prof.in Priv.-Doz.in Dr.in Noemi Pavo) verbunden. Gemeinsam suchen sie nach Zeichen der Neurodegeneration bei nicht-neurologischen Erkrankungen und versuchen das cardio-cerebrale Syndrom genauer zu definieren.
Zur Person
Raphael Wurm ist Facharzt für Neurologie mit einem Schwerpunkt auf neurodegenerativen Erkrankungen und neurologischer Intensivmedizin. Forschungsaufenthalte führten ihn in den letzten Jahren an das Alzheimerzentrum der VU Amsterdam (Prof. Frederik Barkhof) und die Universitat de Barcelona (Prof. Saler-LLonch). Neben der Klinik und Forschung lehrt er an der Medizinischen Universität Wien und der FH St. Pölten. Er ist aktiv im Editorial Board der EANews der European Academy of Neurology und in weiteren nationalen und internationalen Arbeitsgruppen. Darüber hinaus ist er seit 2025 Vertreter des Mittelbaus im Senat der MedUni Wien.
Ausgewählte Literatur
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Wurm R, Klotz S, Erber A, et al.. Mood Alterations in the Prodromal Phase of Sporadic Creutzfeldt-Jakob Disease. JAMA Neurol. 2025 Feb 1;82(2).
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Uttley L, Carroll C, Wong R, Hilton DA, Stevenson M. Creutzfeldt-Jakob disease: a systematic review of global incidence, prevalence, infectivity, and incubation. Lancet Infect Dis. 2020;20(1):e2-e10. doi:10.1016/S1473-3099(19)30615-2
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Baiardi S, Capellari S, Bartoletti Stella A, Parchi P. Unusual clinical presentations challenging the early clinical diagnosis of Creutzfeldt-Jakob disease. J Alzheimers Dis. 2018;64(4):1051-1065. doi:10.3233/JAD-180123
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Cetin H, Wurm R, Reichardt B, et al. Increased risk of death associated with the use of proton pump inhibitors in patients with dementia and controls—a pharmacoepidemiological claims data analysis. Eur J Neurol. 2020;27(8):1422-1428. doi:10.1111/ene.14252
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Gelpi E, Heinzl H, Hoftberger R, et al. Creutzfeldt-Jakob disease in Austria: an autopsy-controlled study. Neuroepidemiology. 2008;30(4):215-221. doi:10.1159/000126915